freier chindsgi hönggerberg zürich

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Ganzheitliches pädagogisches Konzept
Donnerstag, 14. August 2008
Eine einmalige Konstellation von Kindern, Betreuungspersonen, Eltern und räumlichen Möglichkeiten zeichnen den Freien Kindergarten Hönggerberg aus.

Eine einmalige Konstellation
Der Chindsgi bezweckt den gemeinnützigen Betrieb eines Kindergartens unter aktiver Mitarbeit grundsätzlich beider Elternteile. Der Chindsgi beabsichtigt eine möglichst repressionsfreie Erziehung. Der individuellen
Entfaltungsmöglichkeit des einzelnen Kindes ist besonders Rechnung zu tragen. Diese Vorgabe, mit der der Chindsgi im Geist der 1968er Jahre gegründet wurde, wird heute in einer zeitgemässen Interpretation verwirklicht. Das gelingt durch eine einmalige Konstellation von Kindergruppe, Betreuungspersonen und räumlichen Möglichkeiten, die den Freien Chindsgi Hönggerberg heute auszeichnen.

  • In der altersgemischten Gruppe finden die Kinder ihre Rolle als
    Kleine oder Grosse.
  • Während sie von professionellen Pädagogen und Eltern gemeinsam betreut
    werden, erleben die Kinder, wie Frauen und Männer sowohl in fürsorglichen
    als auch in gestaltenden Funktionen für sie zusammen wirken.
  • Der pädagogische Schwerpunkt liegt im Ermöglichen und umsichtigen
    Steuern kindlicher Aktivitäten und Lernprozesse.
  • In dem alten Bauernhaus mit grossem Umschwung gehen die Kinder
    vielfältigen Aktivitäten nach, vom morgendlichen Kreis und gemeinsamem
    Singen über freies Spiel bspw. in der Puppenstube oder im grossen
    Garten, von geführtem Turnen und Klettern in der Halle bis hin zu
    Malen, Basteln oder Sägen an der Werkbank.

Ein ganzheitliches pädagogisches Konzept
Indem wir auf den individuellen Fähigkeiten und Begabungen jedes Kindes aufbauen, wollen wir seine Handlungskompetenzen und seine Persönlichkeit erweitern und stärken. Dabei berücksichtigen wir entwicklungspsychologische und gruppendynamische Aspekte einer ganzheitlich verstandenen Erziehungs- und Bildungsarbeit.

Die im Folgenden beschriebenen Zielsetzungen (Sozialkompetenz, Sachkompetenz, Selbstkompetenz) und Handlungsprinzipien (Situations- und prozessorientiertes Arbeiten, Lernen im Alltag, freies Spiel) werden durch die speziellen Rahmenbedingungen der freien Chindsgis geprägt. Dazu gehören die breite Altersdurchmischung und Kontinuität der Gruppe über mehrere Jahre sowie der Ganz- bzw. Halbtagesbetrieb.

Die Sozialkompetenz
Wir meinen damit die Bereitschaft und Fähigkeit des Kindes, neben dem Einbringen seiner eigenen Bedürfnisse auch die Wünsche, Bedürfnisse, Interessen und Erwartungen seiner Mitmenschen und seiner belebten Umwelt wahrzunehmen.

Die Sachkompetenz
Der Erwerb von sachbezogenem Wissen und Fertigkeiten dient uns als Grundlage für eine verantwortungsvolle Handlungsfähigkeit.

Die Selbstkompetenz
Wir meinen damit das Verhältnis des Kindes zu sich selbst und seine Fähigkeiten, sich unter dem Gesichtspunkt der eigenen Interessen und Möglichkeiten mit der Umwelt auseinanderzusetzen und zu wachsen.

Situations- und prozessorientiertes Arbeiten
Eine anregungsreiche Umgebung ist für die Entwicklung der Intelligenz und des sozialen Verhaltens günstig. Die Kinder sollen aber nicht nur viel sehen, begreifen und ausprobieren, sondern auch das Zusammenleben und gemeinsame Handeln mit seinen Freuden und Enttäuschungen erleben. Sie sollen das Aushandeln von Interessen, das Lernen voneinander und das Tragen von Verantwortung für andere üben können.

Lernen im Alltag
Im Rahmen der Ganz- und Halbtagesstruktur hat das Kind genügend Zeit und Möglichkeiten, im Alltag vieles auszuprobieren und zu lernen. Arbeiten wie Tischen oder das Versorgen der Pflanzen übernehmen die Kinder selber. Beim Gestalten der Gruppenräume oder beim Festlegen von Regeln, beispielsweise für eine neu eingerichtete Puppenstube werden
sie mit einbezogen. Sie werden sich so zunehmend bewusst, dass sie den Alltag selbst mittragen und gestalten können. In lebenspraktischen Bereichen wie Schuhe binden oder Zähne putzen helfen die Aelteren den Jüngeren. In Konfliktsituationen zwischen Grösseren und Kleineren, Stärkeren und Schwächeren machen die Kinder mit der Unterstützung der KindergärtnerInnen vielfältige Erfahrungen. Wichtig sind auch regelmässige Rituale wie der Morgenkreis und gemeinsame Mahlzeiten, die den Kindern Sicherheit und Orientierung vermitteln.

Freies Spiel
Im freien Spiel kann jedes Kind sein Selbstbewusstsein durch selbstbestimmtes Handeln entwickeln. Als freies Spiel bezeichnen wir alle spielerischen Betätigungen, die nicht von Erwachsenen angeleitet werden. Das Kind erschafft sich Ängsten oder Wünschen ausprobiert. Solche aus eigener Initiative entstandene spielerische Erfahrungen fliessen in alle Bereiche seiner Entwicklung ein.

Elternmitarbeit
Die Elternmitarbeit ist ein zentraler Teil unseres Konzepts. Das
Mitarbeiten, Mitdenken und Mitgestalten der Eltern hebt und sichert
die Qualität der freien Chindsgis. Form und Inhalt des Chindsgibetriebs
sind breit abgestützt und transparent; jedeR ist ein Teil des Chindsgis.
Die Elternmitarbeit beinhaltet ideelles, praktisches und finanzielles
Engagement.

Ideelles Engagement
Die selbstbestimmte und bewusste Wahl der Eltern, ihr Kind in einen freien Chindsgi zu schicken, ist wesentlich für das spätere Engagement. Sie müssen sich mit der Idee der Selbstverwaltung anfreunden und bereit sein, sich auf den Verein, die KindergärtnerInnen, die Kinder und auf die anderen Eltern einzulassen.

Praktisches Engagement
Die Eltern der Kinder bilden als Verein die Trägerschaft eines freien Chindsgis und führen gemeinsam mit den KindergärtnerInnen den Betrieb in Selbstverwaltung. Sie sind verpflichtet, an den regelmässigen Elternsitzungen teilzunehmen und bei der Betriebsführung mitzuarbeiten (zum Beispiel Vertretung gegenüber Behörden, Konzeptarbeit, Neueinstellungen,
Buchhaltung, usw.). Ebenso wird der Unterhalt (Reinigung, Reparaturen, Einkäufe und Anschaffungen) der Chindsgis im Wesentlichen durch die Eltern bestritten. Dazu kommt die direkte Beteiligung am Chindsgialltag. So wird neben dem Kochen auch ein Teil der Betreuungsarbeit durch die Eltern geleistet. Ebenso beteiligen sie sich an der Organisation und der Durchführung von Anlässen und Festen, z.B. Räbeliechtli-Umzug, Samichlaus, Weihnachten, Fasnacht, Ostern, Geburtstage, Lager, Neuaufnahmen, Verabschiedungen und Aufführungen. Wichtig ist uns dabei, dass sich sowohl Mütter wie auch Väter an diesen Arbeiten beteiligen.

Finanzielles Engagement
Ein Elternbeitragsreglement des Sozialdepartements der Stadt Zürich regelt das finanzielle Engagement nach Einkommens- und Vermögensverhältnissen. Die umfangreiche Elternmitarbeit verbilligt den Chindsgibetrieb entscheidend und ermöglicht so das Angebot eines qualitativ hochstehenden Chindsgis zu verhältnismässig günstigen Preisen.

Pädagogische Aspekte der Elternmitarbeit
Die direkte Beteiligung der Väter und Mütter am Chindsgialltag ist Ausdruck des grundsätzlichen Willens, sich am gesellschaftlich relevanten Prozess der ausserfamiliären Erziehung persönlich zu engagieren. Den Kindern wird dadurch
vermittelt, dass emotionale Bindung und persönlicher Einsatz zusammenhängen. In den Eltern ihrer SpielgefährtInnen und FreundInnen lernen sie verschiedene Männer und Frauen im Alltag als Gleichberechtigte kennen. Sie sehen, dass
Erwachsene in ähnlichen Situationen verschieden reagieren, aber die Erwachsenenwelt nicht unnahbar und fremd sein muss.
Mit der Nähe der Eltern entsteht eine familiäre Atmosphäre. Die Kinder können sich so ungezwungen aus der Kleinfamilienstruktur in Richtung Gesellschaft bewegen. Dies wird durch die offenen und gleichberechtigten Beziehungen
zwischen Eltern und KindergärtnerInnen verstärkt. Die Kinder sehen, dass Leben und Arbeiten ineinander übergreifende Welten sind und diese mit gleichen Werten besetzt sind.

Die Eltern erleben ihrerseits mit, wie ihre Kinder die ersten Sozialisationsschritte ausserhalb der Familie machen. Das gemeinsame Erleben der Chindsgiwelt verstärkt die emotionale Bindung zwischen den Kindern und ihren Eltern. Die
Kinder spüren, dass die Eltern an ihrem Alltag teilnehmen und interessiert sind. Durch die enge Zusammenarbeit der Eltern entstehen auch langfristige Freundschaften.